Hildegard Tomberlin

Neue Lebensfreude auf alte Tage

„Die Schwerhörigkeit ging an die Substanz“, sagt Hildegard Tomberlin.

Alltagsbewältigung war eine Herausfoderung

Für Hildegard Tomberlin aus Homburg war Hören schon immer ein Problemthema. „Früher, als ich beim amerikanischen Wohnungsamt in Kaiserslautern arbeitete, habe ich viele Überseegespräche geführt. Schon damals hatte ich Angst, nicht Verstehen zu können“. Den Kopf hielt sie stets schräg, sodass man ihr nur etwas in das linke Ohr sagen konnte. Der Grund: Das rechte Ohr war taub. „Mir hat man damals gesagt, dass man da nichts machen kann, und dann habe ich mich damit abgefunden“, gesteht sich Frau Tomberlin ein. Über die Jahre ist jedoch auch das andere Ohr schlechter geworden. Selbst ein Hörgerät hat kaum noch Besserung gebracht. Wie so viele von einer Hörschädigung Betroffene hat sich auch Hildegard Tomberlin dafür geschämt, nichts mehr richtig verstanden zu haben. Die Kommunikation mit ihrem damaligen Mann war im Alltag unfreiwillig lautstark. „Es ist schlimm, wenn man nichts hört. Die Nachbarn müssen gedacht haben, wir streiten uns, weil wir uns so laut anschreien mussten, damit ich etwas verstehe“, sagt die heutige Rentnerin.
























Sozialer Rückzug und Angst vor der OP

Frau Tomberlin zog sich mehr und mehr aus dem sozialen Leben zurück. Zu Geburtstagsfeiern von Freunden ging sie immer eine halbe Stunde früher um spätestens ,wenn die Gäste zur eigentlich vereinbarten Zeit kamen, wieder zu gehen: „Ich hatte Angst, dass mich jemand anspricht und ich es nicht merke oder nichts verstehe.“ Sogar wenn der Nachbar morgens aus dem Haus kam, ging sie schnell wieder hinein, um nicht in Verlegenheit eines Gespräches zu kommen. 2012 sollte dann ein neues Hörgerät Besserung bringen – zumindest auf der zwar schwachen, aber noch ein wenig funktionierenden, linken Seite. Zu dem Hörgerät bekam Frau Tomberlin zudem noch eine Überweisung an die HNO-Klinik im saarländischen Homburg und eine Telefonnummer in die Hand. „Der meinte nur, ich soll da mal anrufen. Aber auf der Überweisung stand nur „CI“ drauf, damit konnte ich nichts anfangen“, sagt Frau Tomberlin. Nach dem Termin in der Klinik zog sich die Beantragung bei der Krankenkasse dann Monate in die Länge – das war der heute 69-Jährigen auch ganz recht, denn die Angst vor den Risiken war groß. Erst als eine Bekannte Frau Tomberlin über einen Vortrag zum Cochlea Implantat berichtete, war die Rentnerin von der OP überzeugt. „Sie hat gesagt, du, das musst du jetzt unbedingt machen“, erinnert sich Frau Tomberlin. Neuen Mut gefasst, rief sie wieder in der Klinik an. Nach ein paar Tests war schnell klar, dass sie für das CI die besten Voraussetzungen hatte, und plötzlich ging alles ganz schnell.


Hildegard Tomberlin

„Heute weiß ich, wenn ich von dem CI eher gewusst hätte,
hätte es mein Leben schon viel früher wieder einfacher gemacht."

Mut durch Aufklärung

Bei jeder CI-OP gibt es das Risiko, dass der Gesichtsnerv getroffen wird. Die Angst genau davor schwelte am Abend vor dem Eingriff umso mehr. Auf Wunsch von Hildegard Tomberlin kam deshalb der operierende Arzt erneut zu ihr und erklärte das Vorgehen haarklein bis ins letzte Detail. Eine beruhigende Information: Die Operation wird durch einen Computer unterstützt. Sobald der Operateur zu nah an den Gesichtsnerv kommt, reagiert das Vorwarnsystem und es ertönt ein Signal, so dass eine Schädigung so gut wie ausgeschlossen ist. Die Angst war danach wie weggeblasen. Nach acht Tagen in der Klinik konnte sich Hildegard Tomberlin bis zum Termin der Anpassung zu Hause erholen.

Erst sind es Wörter, dann Sätze

In der Reha wurde dann zwei Mal in der Woche das Hören ohne das Hörgerät auf der anderen Seite geübt  „Das waren so Kleinigkeiten, wenn andere fangen gesagt haben, habe ich bangen verstanden“, erinnert sich Frau Tomberlin. „Das Hör- und Sprachtraining fing an mit einzelnen Worten, und das wurde dann immer mehr, hin zu ganzen Sätzen.“ Zusätzlich hat sie zu Hause mit der Nachbarin Sprach- und Hörübungen gemacht, die ihr auf Blättern mitgegeben wurden. Und der Fleiß hat sich gelohnt – schon nach drei Wochen sind die Therapeuten vom Ergebnis begeistert. Eine Unterstützung war in der ganzen Zeit auch das CI-Café in des Hörzentrums Homburg. Hier konnte sich Frau Tomberlin mit Gleichgesinnten austauschen.

Neue Lebensfreude

„Das hätte schon viel früher passieren sollen“, kann Hildegard Tomberlin schon zwei Monate nach der OP sagen. Das Leben im Alltag hat wieder eine ganz neue Qualität bekommen. „Wenn die Familie früher zu Besuch war und ich saß auf dem Sofa und jemand anderes am Tisch, musste ich aufstehen und hingehen um ihn zu verstehen“, erinnert sich Frau Tomberlin. „Jetzt ist das anders. Ich kann mich sogar mit meinem Sohn unterhalten, wenn er im Keller steht und ich oben bin. Das war vor der Operation unvorstellbar“. Die Lebensfreude ist zurückgekehrt. Ihre Heimat, das Saarland mit den Wiesen, Bergen und der schönen Natur, klingt wieder für Hildegard Tomberlin nach Vögeln, dem Rasenmäher des Nachbarn, nach Freunden, Familie und Freude.

„Heute weiß ich, wenn ich von dem CI eher gewusst hätte, hätte es mein Leben schon viel früher wieder einfacher gemacht“, reflektiert Frau Tomberlin. „Es sollte noch mehr informiert werden, dass es das gibt!“

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