Dr. Gentiana Wenzel

Mehr als nur Hören lernen

Dr. Gentiana Wenzel über die Patientenreise ins Saarland: „Geduld und realistische Erwartungen sind gefragt.“

Expertin Dr. Wenzel über Fragen, Sorgen und Erwartungen

Die ersten drei Worte, die Dr. Gentiana Wenzel zum Thema Hörbehinderung einfallen: „Diskriminierung, Sprachverstehen und Störgeräusche.“ Die Ärztin des Universitätsklinikums des Saarlandes ist Expertin auf dem Gebiet der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und kennt sich aus, wenn es um das Thema Cochlea Implantat geht. Sie beantwortet gern die vielen Fragen ihrer Patienten, den Ablauf vor, während und nach der OP und welche Ergebnisse Patienten erwarten können. „Viele unserer Patienten kommen ohne jegliches Hintergrundwissen auf uns zu, kennen sich überhaupt nicht mit den Möglichkeiten neben den Standard-Hörgeräten aus und haben oftmals noch nie von einem Cochlea Implantat gehört.“ Gerade bei älteren Patienten sei dies der Fall. Diesen fällt es schwer, sich insbesondere im Netz zu informieren oder sie wurden bisher von ihren HNO-Ärzten schlecht beraten. Auf der anderen Seite kennt Dr. Wenzel aber auch viele Situationen, insbesondere bei Kindern und ihren Eltern, in denen die Betroffenen sich vorab bereits umfassend informiert haben, bis hin zu den unterschiedlichen Firmen, die Cochlea Implantate anbieten. „Doch egal wie gut oder schlecht der Patient informiert ist, die Fragen, Sorgen und Ängste bleiben am Ende immer die gleichen.“


Dr. Gentiana Wenzel

„Im Rahmen einer Nachuntersuchung, also nach der OP und Anpassungsphase, kam eine Patientin von mir weinend auf mich zu, um mir voller Freude mitzuteilen und zu danken, dass sie endlich wieder Weihnachtslieder mitsingen kann.“

Persönliche Gespräche nehmen Ängste

„Eigentlich drehen sich die Fragen aller Patienten, die zu mir kommen, um das eine Thema: Kann man mir überhaupt helfen, existiert irgendetwas, das mir hilft?“, erklärt die Expertin. Hinzu kommen Befürchtungen und Sorgen: Wie sieht es mit den Schmerzen aus, gibt es ein Risiko für Blutungen? Zur Aufklärung verwendet die Ärztin nicht nur ihren eigenen Erfahrungsschatz und ihr Wissen aus jahrelanger Arbeit und Forschung, Broschüren und Flyer zur Veranschaulichung, sondern auch Zeichnungen und Modelle, um allen Interessierten genau zu vermitteln, um was es beim CI geht. Sie erklärt dabei umfassend, wie der Gesichtsnerv vor der OP lokalisiert und so beim Eingriff geschützt wird. „Das persönliche Gespräch ist immer am besten um Ängste und Sorgen zu nehmen und trotzdem über alle wichtigen Hinweise, die zu bedenken sind, aufzuklären. Damit kommen die Patienten gut klar und erkennen, dass der Gewinn des Hörens den Nebenwirkungen gegenüber überwiegt“, erklärt Dr. Wenzel

Die Patienten vor der OP an die Hand nehmen

Doch wie genau sieht die ganze Prozedur aus? „Jeder Patient durchläuft verschiedene Schritte. Zunächst stellt sich der Patient allein oder zusammen mit Familie oder Freunden beim HNO-Arzt vor und schildert seine Probleme.“ Erste Hinweise liefert ein allgemeiner Hörtest. Wenn dieser zeigt, dass ein Hörgerät nicht mehr ausreichen würde, folgt eine Überweisung zum spezialisierten HNO. „Unsere Aufgabe ist es dann, feinere Hörtests und Tests, die speziell den Hörnerv betreffen, durchzuführen. Danach folgen noch Aufnahmen im Magnetresonanztomografen (MRT) und im Computertomografen (CT). Hier erhalten wir weitere Informationen zum Hörnerv sowie darüber, ob für die OP alles am Schädelknochen okay ist“, so Dr. Wenzel zum Ablauf. Es folgen objektive Hörmessungen über Elektroden, um alle Details zu erfassen. „Danach besprechen wir alle Ergebnisse detailliert und anschaulich mit dem Patienten und klären ihn über alle Möglichkeiten auf. Kommt ein CI in Frage, stellen wir die verschiedenen Modelle und Firmen vor und entscheiden uns gemeinsam für die beste Variante“, erklärt die Expertin.

Gehirn trainieren – Schritt für Schritt

Vier Wochen nach der Operation erfolgt die eigentliche Herausforderung: Die Anpassungsphase. Die Ärztin plädiert für realistische Erwartungen und Geduld: „Patienten können nicht erwarten, dass sie sofort ab dem ersten Tag klar hören können. Mit dem CI muss man Hören Schritt für Schritt lernen.“ Die Elektroden am CI werden jeden Tag passend zu den einzelnen Hörübungen eingestellt, nachjustiert und überprüft, bis ein klares Sprachverständnis vorliegt. Dieser Prozess benötigt etwas Geduld vom Patienten, denn das Gehirn muss erst lernen, aus einem Elektrodensignal Sprache zu erkennen. Dr. Wenzels emotionalster Moment ihrer Berufslaufbahn während dieser Phase: „Im Rahmen einer Nachuntersuchung, also nach der OP und Anpassungsphase, kam eine Patientin von mir weinend auf mich zu, um mir voller Freude mitzuteilen und zu danken, dass sie endlich wieder Weihnachtslieder mitsingen kann.“ Die Expertin möchte mit ihrer Arbeit zeigen, dass die Schwerhörigkeit zwar eine ernste Behinderung ist, für die man jedoch sehr gut Hilfe bekommen kann: „Niemand sollte sich scheuen, nach Beratung zu suchen und sich umfassend zu informieren.“

 

 






















Tut Patienten und Angehörigen gut: das Saarland und seine Natur

Solche Erfolgsmomente sind nur mit einem herausragenden Team, sehr gut aufgestellten Einrichtungen und einer gut funktionierenden Infrastruktur möglich. „Das Saarland ist im Bereich der Erkrankungen des Ohres sehr gut aufgestellt, die Reha-Angebote sind herausragend“, lobt Dr. Wenzel. Doch auch die Umgebung trägt einen wichtigen Teil zur Genesung während der Anpassungsphase bei. Den Patienten sowie den mit angereisten Angehörigen tut die Natur gut: „Patienten und ihre Familien gewinnen während dieser Zeit so viel mehr als nur Hören zu lernen.“ Ein wichtiges Projekt, um die Infrastruktur und Aufklärung rund um das Thema Hörerkrankungen zu verbessern, sei für die HNO-Expertin auf jeden Fall das Netzwerk Hören: „Netzwerk Hören bietet genau das, was wir in unserer Klinik an Informationen bieten, nur online: Mit Infotexten, Videos, persönlichen Geschichten, Veranstaltungshinweisen sowie Kontaktmöglichkeiten zu anderen Betroffenen.“

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