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Erstinformation Cochlea-Implantat

Falls Sie sich als Betroffener oder als Angehöriger erstmalig mit der Versorgung durch ein Cochlea-Implantat beschäftigen, können Sie sich hier einen kurzen Überblick über die Technik und die nötigen medizinisch-therapeutischen Schritte verschaffen.

Die beiden Kliniken im Saarland sind spezialisiert auf die Cochlea-Implantation und die lebenslange Nachsorge sowie weitere innovative Hörlösungen. Sie stehen Ihnen für weitere ausführliche Informationen und Beratungen gerne zur Verfügung.

Cochlea Implantat - ein Weg aus der Stille

Cochlea-Therapie

Die Cochlea Implantat Technik ersetzt die Funktion des vollständig ausgefallenen Innenohrs, die häufigste Form der Ertaubung. Sprache und Geräusche werden über ein Mikrofon aufgenommen und an dem hinter dem Ohr getragenen Sprachprozessor weitergeleitet. Dieser verarbeitet das Gehörte, welches als Impulse über die Sendespule zum Implantat im Innenohr gesendet wird. Diese Hörsignale werden an das Gehirn weitergeleitet, der CI-Träger hört. Mit einem Cochlea Implantat lernen hochgradig hörgeschädigte Kinder, sowie spät ertaubte Erwachsene, hören.

Nicht jeder Mensch, der schlecht oder gar nicht hört, kommt für die Versorgung mit einem CI in Frage. In jedem einzelnen Fall müssen die Voraussetzungen geprüft werden. Nach umfangreicher Beratung und  Prüfung der Indikatoren kann im Anschluss mit der CI-Therapie begonnen werden.

Das operative Einsetzen eines solchen Implantats und die nachfolgende Erstanpassung des Sprachprozessors sind im Saarland Routine und finden auf sehr hohem Niveau statt. Das Implantat wird hinter dem Ohr im Rahmen einer Operation eingesetzt. Der Eingriff wird stationär und in Vollnarkose durchgeführt. Er nimmt in etwa zwei Stunden in Anspruch und nach wenigen Tagen kann der Patient bereits entlassen werden. Hochqualifizierte Experten betreuen die Patienten von der Erstberatung bis zur regelmäßigen Nachsorge.

Nach der Operation benötigt der Patient ca. 3 Wochen bevor das Implantat durch den Sprachprozessor aktiviert wird. Danach erfolgt die Erstanpassung des Sprachprozessors und die Reise zum neuen Hören kann beginnen: das Lernen eines neuen Hör- und Sprachverstehens mit dem Cochlea Implantat.

Rehabilitation

Die Rehabilitation erfolgt im Rahmen eines zielgruppenspezifischen Reha-Konzeptes, das dem Betroffenen die Kommunikation und damit die Teilnahme am sozialen Leben wieder ermöglicht.

Während der Rehabilitation wird das Hören intensiv trainiert und die Einstellung des Sprachprozessors optimiert. Innerhalb von sechs Wochen kann das Sprachverstehen der Patienten von unter 30 Prozent auf circa 70 Prozent gesteigert werden.

Das CI führt ohne die Befehle, die es über seine Empfängerspule von der Sendespule des Prozessors erhält, keine Reizung durch. Wenn es aber Befehle empfängt, dann tut es genau das, was diese Befehle vorschreiben. Zu Beginn der Reha nimmt der Patient Klänge und Geräusche nur undeutlich und undifferenziert wahr. Mit dem neu eingesetzten Cochlea Implantat kann der Patient zwar Signale hören und auch unterscheiden, ob diese hoch oder tief bzw. laut oder leise sind. Er kann in diesem Stadium aber noch nicht differenzieren, ob es sich um einen Wecker, eine Klingel oder ein Flugzeug handelt. In einem Lernprozess gewöhnt sich das Hörzentrum im Gehirn an ein neues Hören mit dem Cochlea Implantat.

Das Hörtraining beinhaltet in etwa Hörübungen wie die Unterscheidung von Instrumenten, Tonhöhenunterscheidung, Silbenlängendiskriminierung, das Heraushören von Vokalen, Konsonanten, Zahlen und Wörtern sowie ein Satz- und Texttraining. Des Weiteren werden Cochlea-Implantat-Träger auf alltägliche Probleme vorbereitet und trainiert. Hierzu zählen das Telefontraining oder das Einüben von kommunikativen Real-Situationen.

Während der Reha können immer wieder Anpassungen durch den Cochlea-Implantat-Techniker durchgeführt werden. Dieser justiert gegebenenfalls die entsprechenden Elektroden neu und gewährleistet somit einen optimalen Lernprozess. 

Nachsorge

Nach Abschluss der Rehabilitation wird dem CI-Patienten eine lebenslange medizinische Nachsorge geboten. Das Hören mit Cochlea-Implantat entwickelt sich kontinuierlich weiter. Um diesen Prozess zu fördern, sollte der CI-Prozessor einmal jährlich angepasst werden. Dabei sollten immer auch die Ohren von einem Facharzt untersucht werden. Gegebenenfalls aufgetretene Komplikationen können somit rechtzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Des Weiteren gewährleistet die Nachsorge die Erfassung der Langzeiteffekte, die Anpassung an den Stand der Technik sowie die Indikationsstellung für weitere diagnostische, therapeutische und rehabilitative Leistungen. Zudem wird durch die regelmäßigen Nachsorgetermine die Qualität des CIs gesichert. Die Nachsorge wird in der Regel teilstationär durchgeführt und erstreckt sich über einen Zeitraum von ein bis zwei Tagen.

Die Qualitätssicherung der CI-Versorgung erfordert einen ausreichenden und zweckmäßigen Raum-, Sach- und Personalaufwand. Sie kann nur durch die Versorgung in Zentren mit entsprechender Ausstattung und qualifiziertem Personal in ausreichender Zahl erfolgen.

Voraussetzung für eine Operation

  • Säuglinge und Kinder: Gehörlos geborene Kinder (kongenitale Taubheit) werden möglichst frühzeitig und überwiegend beidseitig (bilateral) versorgt; der optimale Zeitpunkt liegt zwischen dem 8. und dem 12. Lebensmonat

  • Beidseitige nach dem Spracherwerb eingetretene (postlinguale) Ertaubung: ein- oder beidseitige Versorgung; möglichst kurzes Intervall zwischen Ertaubung und Implantation (ca. 6 Monate).

  • Ertaubung nach Hirnhautentzündung (bakterielle Meningitis): Kurzfristige CI-Versorgung, um einer Verknöcherung (Ossifikation) der Hörschnecke (Cochlea) zuvorzukommen.

  • Bei Steilabfall der Hörkurve (Audiogramm): Hörrehabilitation durch elektrischakustische Stimulation (EAS); typische Zielgruppe: ältere Menschen.

  • Einseitige Ertaubung mit/ohne Ohrgeräusch (Tinnitus): Bei etwa zwei Drittel der Personen mit Tinnitus führt die CI-Versorgung zu einer deutlichen Verbesserung bis hin zur Beschwerdefreiheit auf dem versorgten Ohr, seltener auch auf dem gegenseitigen Ohr.

(Quelle: Klinikum Uni Heidelberg)

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